Museum des Armenischen Völkermords in Eriwan: Erinnerung, Geschichte und Menschenwürde
Auf dem Hügel Tsitsernakaberd, mit dem Berg Ararat im Hintergrund am Horizont, erhebt sich der feierlichste Ort Armeniens: das Museum-Institut des Armenischen Völkermords. Im Jahr 1995 anlässlich des 80. Jahrestags des Völkermords eingeweiht, ist dieser Komplex aus Gedenkstätte und Museum ein Besuch, den kein Reisender auslassen sollte, der Armenien wirklich verstehen möchte. Nicht weil er leicht ist, sondern weil er notwendig ist.
Der Armenische Völkermord: historischer Kontext
Zwischen 1915 und 1923 führte die Regierung der Jungtürken des Osmanischen Reiches die systematische Vernichtung der armenischen Bevölkerung durch, die in Anatolien lebte. Schätzungen zufolge liegt die Opferzahl zwischen 600.000 und 1,5 Millionen Menschen, die bei direkten Massakern, Todesmärschen in die syrische Wüste oder Zwangsdeportationen ums Leben kamen. Dieses Ereignis, das von mehr als 30 Ländern, darunter die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten, als Völkermord anerkannt wird, ist das zentrale Ereignis im kollektiven Gedächtnis des modernen Armeniens.
Das Mahnmal von Tsitsernakaberd
Der Komplex gliedert sich in zwei Teile: das äußere Mahnmal und das unterirdische Museum. Das von den Architekten Kalashyan und Mkrtchyan entworfene Mahnmal besteht aus zwölf geneigten Basaltplatten — die zwölf historischen armenischen Provinzen in der Türkei symbolisierend — die im Kreis um eine ewige Flamme angeordnet sind. Eine 44 Meter hohe Stele symbolisiert die Wiedergeburt des armenischen Volkes. Die Atmosphäre der Stille und Sammlung, die das Mahnmal umgibt, ist von außerordentlicher emotionaler Kraft.
Das unterirdische Museum
Das Museum beherbergt eine Sammlung von mehr als 800.000 Dokumenten — Fotografien, Zeugenaussagen, diplomatische Telegramme, persönliche Gegenstände von Opfern —, die die Ereignisse des Völkermords mit historischer Strenge schildern. Die Tafeln sind auf Armenisch, Englisch und Russisch. Der Besuch dauert ungefähr 1,5–2 Stunden und ist emotional intensiv, aber historisch unverzichtbar.
Praktische Informationen
Das Museum ist dienstags bis sonntags geöffnet (montags geschlossen). Der Eintritt ist kostenlos. Es empfiehlt sich, morgens zu besuchen, wenn der Andrang geringer ist. Der Komplex befindet sich auf dem Hügel Tsitsernakaberd, etwa 2 km vom Stadtzentrum Eriwans entfernt, erreichbar mit dem Taxi (ca. 500 AMD) oder zu Fuß vom Stadtzentrum. Am 24. April, dem Tag des Armenischen Völkermords, pilgern Tausende von Menschen zum Mahnmal.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Eintritt in das Museum des Armenischen Völkermords in Eriwan kostenlos?
Ja, der Eintritt in das Museum und das Mahnmal von Tsitsernakaberd ist völlig kostenlos. Gegen Aufpreis sind Führungen in mehreren Sprachen verfügbar, unter anderem auf Spanisch.
Wie viele Länder erkennen den Armenischen Völkermord an?
Mehr als 30 Länder erkennen den Armenischen Völkermord offiziell an, darunter Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Belgien, der Vatikan, Russland, Argentinien und Brasilien. Spanien erkannte den Armenischen Völkermord 2022 über das Europäische Parlament an.
Können türkische Staatsbürger das Museum besuchen?
Ja, das Museum steht allen Besuchern unabhängig von ihrer Nationalität offen. Tatsächlich betonen die Verantwortlichen des Museums, dass sie regelmäßig türkische Besucher empfangen, die diesen Abschnitt der Geschichte kennenlernen möchten.