Die Chroniken Georgiens: das kolossale Denkmal, das die Geschichte des Landes erzählt

Auf einem Hügel über dem Tbilisser Stausee ragen acht Paare von Steinsäulen mit 35 Metern Höhe wie Finger, die zum Himmel zeigen, aus der georgischen Landschaft empor. Es sind die Chroniken Georgiens (Kartlis Deda, in Anlehnung an den Muttergeist Georgiens), konzipiert vom georgischen Bildhauer Zurab Tsereteli im Jahr 1985 und noch immer unvollendet: ein pharaonisches Projekt, das in Stein die gesamte Geschichte des georgischen Volkes von seinen Ursprüngen bis zur Gegenwart erzählen soll.

Crónicas de Georgia Tbilisi — columnas Tsereteli monumento embalse
Die Säulen der Chroniken Georgiens erheben sich 35 Meter über dem Tbilisser Stausee und prägen die Landschaft der Hauptstadt.

Geschichte und Konzept des Denkmals

Das Projekt wurde 1985 im Auftrag der sowjetischen georgischen Behörden initiiert. Tsereteli konzipierte ein Ensemble aus 16 Säulen, die in zwei Reihen angeordnet die Geschichte Georgiens chronologisch erzählen sollten. Der Zusammenbruch der UdSSR im Jahr 1991 unterbrach die Bauarbeiten jedoch vor ihrer Fertigstellung, und das Denkmal befindet sich seit Jahrzehnten in einem Zustand unterbrochener Bauarbeiten.

Die vorhandenen Säulen zeigen zwei narrative Register: Das obere stellt zwölf Könige und Königinnen Georgiens aus dem Goldenen Zeitalter dar – darunter Königin Tamar und Giorgi der Erbauer –, während das untere Szenen aus dem Leben Jesu Christi zeigt und die zentrale Rolle des Christentums in der georgischen Identität widerspiegelt.

Panoramablicke und Zugang

Über ihren historisch-künstlerischen Wert hinaus bieten die Chroniken Georgiens einige der besten Panoramablicke auf Tiflis und seine Umgebung. Vom Hügel aus überblickt man den Tbilisser Stausee, die Wohnviertel der Neustadt und bei klarem Wetter die Gipfel des Großen Kaukasus am nördlichen Horizont.

Tbilisi panorámica — vistas ciudad embalse Georgia
Die Aussicht auf Tiflis vom Hügel der Chroniken Georgiens ist besonders spektakulär bei Sonnenuntergang.

Kontroverse und aktueller Zustand

Das Denkmal ist Gegenstand von Kritik wegen seiner überdimensionalen Größe und seines Einflusses auf das Landschaftsbild sowie des Verfalls durch jahrzehntelange unzureichende Pflege. Es bleibt jedoch ein unverzichtbares Besichtigungsziel für alle, die die Komplexität der georgischen Kulturidentität und ihre Beziehung zur mittelalterlichen Geschichte verstehen möchten. Kombinieren Sie den Besuch mit einem Ausflug zum Samtawro-Kloster in Mzcheta, um tiefer in die Wurzeln des georgischen Christentums einzutauchen.

Häufig gestellte Fragen

Wie erreicht man die Chroniken Georgiens vom Stadtzentrum Tiflis aus?

Das Denkmal liegt etwa 10 km vom historischen Stadtzentrum von Tiflis entfernt, am Stausee. Am praktischsten gelangt man mit dem Taxi (ca. 10–15 GEL) oder mit einem Mietwagen dorthin. Es gibt keinen direkten öffentlichen Nahverkehr vom Stadtzentrum aus.

Sind die Chroniken Georgiens fertiggestellt?

Nein. Das ursprüngliche Projekt sah 16 Säulen vor, die die gesamte Geschichte Georgiens erzählen sollten, aber die Bauarbeiten wurden mit dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 unterbrochen. Das Denkmal befindet sich seit Jahrzehnten im Zustand einer unvollendeten Baustelle.

Wer ist Zurab Tsereteli, der Schöpfer der Chroniken Georgiens?

Zurab Tsereteli (geboren 1934) ist einer der produktivsten und umstrittensten Bildhauer der Welt. Georgischer Herkunft schuf er große öffentliche Denkmäler in Moskau, New York und mehreren europäischen Städten. Er war jahrzehntelang Präsident der Russischen Kunstakademie.